Archiv für die Kategorie ‘Transit’

Transit Arena

Januar 13, 2007

Transit Arena ist ein Label, unter dem die Künsterlin Isabella Branc unterschiedliche Arbeiten lanciert, die sich implizit der Thematik des Balkans nähern. In Videoarbeiten, Installationen mit akustischen Elementen und literarische Texten generiert Sie Bilder, deren Elemente häufig dem kulturellen Gedächtnis ihres Herkunftslandes Jugoslawien entnommen sind oder auf dieses referenzieren. Der folgende Text, der im Zusammenhang mit ihrer jüngsten Ausstellung im Messagesalon Downtown entstanden ist, begrüsst vom Schaufenster aus die Passanten an der Langstrasse in Zürich.

Jelisaveta Abramovic verkörpert ein alter ego, das genau um die 8 Jahre jünger ist, die die in Basel geborene Künstlerin in der Schweiz aufgewachsen ist. Was wäre wenn? Was wäre, wenn sie in ihrer Heimat aufgewachsen wäre und erst heute in die Schweiz käme, um eine Ausstellung zu machen?

-Begrüssungstext-

Ihre Arbeit beschäftigt sich zentral mit transitorischen Zuständen und deren Symptomen. Der Background, auf den sie referenziert, ist der Pathos und der mysthische Formenschatz ihres Herkunftslandes. Jugoslawien als politische Einheit ist ein historisches Produkt, und doch gibt es ein nationales Bewusstsein aus einer gewissen Gemeinsamkeit heraus, das nicht mehr an ein bestimmtes Territorium gebunden ist oder das man nach aussen verteidigen könnte. Das nationale Bewusstsein dieser Gegend befindet sich somit in einem Übergangszustand.

Isabella Branc befasst sich unter dem Label Transit Arena genau mit solchen Schwebezuständen im Allgemeinen. Sie befasst sich mit Migration, Krisenintervention und kultureller Identität im Wandel. Sie beschreibt dabei Symptome und beobachtet Merkmale, sie analysiert Entwicklungen in ihrer Eigenschaft, in keinem Zustand endgültig zu sein.

Claire Geyer -in Arbeit-

Zukunftslesen

Dezember 7, 2006

Isabela Branc

1. Jelisaveta Abramovic kochte für über 20 Menschen, am Freitag den 1. Dezember türkischen Kaffee und die Leute tranken ihn, die Kaffeetasse nach dem austrinken kopfüber auf die Untertasse setzend.
2. Jeweils ein Besucher und sie stiegen acht Treppen hinauf bis zur Tür zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss, vor der auf einem Stück Papier darauf stand:

Make
Coffee

3. Ich sagte: „Das hier ist das Original eines Kunstwerkes eines Freundes von Jelisaveta, dessen durchgepauste, von mir erstellte Kopie im Erdgeschoss zu sehen ist“ und stiess die Tür auf.
4. Weitere sieben Stufen stiegen wir hinauf bis zu einem für das Kaffeesatzlesen zugewiesen Raum.
5. Auf meinen Namen angesprochen antwortete ich mit Isabela und Jelisaveta, worauf mich die Leute abwechslungsweise Isabela oder Jelisaveta nannten, manche benutzten beide Namen.
6. Ich schaute mir jede Tasse sorgfältig an.
7. Sowie auch am Tag der Ankunft und der Abreise war mein linkes Auge offen und klar, das rechte aber entzündet und rot.

Transit Arena
in türkischen Kaffeesatz
Zukunftslesen mit Jelisaveta J. Abramovic

Jelisaveta Abramovic

1. Für über 20 Menschen habe ich am Freitag den 1. Dezember türkischen Kaffee gekocht und die Leute tranken ihn, die Kaffeetasse nach dem austrinken kopfüber auf die Untertasse setzend.
2. Jeweils ein Besucher und ich stiegen acht Treppen hinauf, mit der Kaffeetasse in der Hand bis zur Tür, zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss, vor der auf einem Stück Papier darauf stand:

Make
Coffee

3. Ich sagte: „Das hier ist das Original eines Kunstwerkes eines Freundes, dessen durchgepauste, von mir erstellte Kopie im Erdgeschoss zu sehen ist“ und stiess die Tür auf.
4. Weitere sieben Stufen stiegen wir hinauf bis zu einem für das Kaffeesatzlesen zugewiesen Raum.
5. Auf meinen Namen angesprochen antwortete ich mit Jelisaveta und Isabela, worauf mich die Leute abwechslungsweise Jelisaveta oder Isabela nannten, manche benutzten beide Namen.
6. Ich schaute mir jede Tasse sorgfältig an.
7. Sowie auch am Tag der Abreise und der Ankunft war mein rechtes Auge entzündet und rot, das linke Auge aber offen und klar.

Transit Arena
in türkischen Kaffeesatz
Zukunftslesen mit Jelisaveta J. Abramovic

Text von: Isabela Branc / Jelisaveta Abramovic

Die Geschichte kann es nicht erklären, aber die Grammatik.

November 21, 2006
Die Geschichte kann es nicht erklären, aber die Grammatik.
Die Geschichte wird es nicht erklären können, aber die Grammatik.

Es gibt Orte, die vorübergehend gewissen Realitäten unterliegen. Dort wo geschossen wird, wo der Leib und die Seele vom Tod bedroht werden, das ist der genannte Ort von dem es zu flüchten gilt. Das verborgene Vorhandensein, die Latenz dieser Lage zeigte sich aber schon vorher und nicht nur an jenen Orten. Die Symptome oder Anzeichen einer bevorstehenden Krise oder einer beginnenden Eskalation derselben zeigen sich überall, weshalb sie zum Deuten einladen. Wenn gut hingehört und hingeschaut wird, lässt sich anhand vorsichtiger Betrachtung in ihrem Kern der Lösungsansatz zur Bewältigung der Krise entdecken. Hier gilt insbesondere die von Parazelsus entwickelte These, dass jedes Gift sich zu Gegengift wandeln kann. Folgende Sequenzen sprechen ein Nomen an, welches ich aus guten Gründen nicht niederschreiben möchte, und dies in allen drei Stockwerken dieses Hauses sowie auch im Gespräch.

Latenzen in drei Sätzen
1. Nur dort spricht man über ihn, wo man ausreichend über ihn informiert
wird.
2. Wer ausreichend informiert ist, wird über ihn sprechen können.
3. Er ist schon dort, wo man jeden Tag über ihn spricht.

Text von: Isabela Branc / Jelisaveta Abramovic

Begrüssung

November 18, 2006

Mein Name ist Jelisaveta Abramovic

1. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Jugoslawien.
2. Von wo genau ist unwichtig, weil ihr meist vieles durcheinanderbringt, aber soviel kann ich sagen: es gibt dort einen schwarzen Berg.
3. Ich durfte einreisen, um in dieser Ausstellung einige meiner Kunstwerke zu zeigen.
4. Es ist mir eine Ehre, hier ausstellen zu dürfen.
5. Besonders freue ich mich, in der Langstrasse Menschen
unterschiedlichster Nationen mein Werk vorzuführen.
6. Hier auch die Türken vorzufinden, freut mich besonders, da ich vom
schwarzen Berg einen freundlichen Gruss ausrichten kann.
7. Ich soll auch berichten, das sich die Lage bei uns den Umständen
entsprechend stabilisiert hat, weshalb wir jetzt mit Neugier und
grosser Sorge die Entwicklungen bei Euch verfolgen.

Willkommen in Transit Arena

Mein Name ist Isabela Branc

1. Ich bin 29 Jahre alt und stamme aus Ex-Jugoslawien.
2. Von wo genau ist unwichtig, da ihr meist vieles durcheinanderbringt,
aber soviel darf ich sagen: es gibt dort einen schwarzen Berg.
3. Ich bin in der Schweiz geboren und lebe und arbeite hier.
4. In dieser Ausstellung darf ich euch einige meiner Kunstwerke zeigen.
5. Es ist mir eine Ehre, hier ausstellen zu dürfen.
6. Besonders freue ich mich, in der Langstrasse Menschen unterschiedlichster Nationen mein Werk vorzuführen.
7. Euch alle hier vorzufinden freut mich, den Türken aber gilt der erste Gruss.

Willkommen in Transit Arena

Text von: Isabela Branc / Jelisaveta Abramovic

Hello world!

November 11, 2006

Hello World, welcome to transitarena!

message salon downtown präsentiert:
Isabela Branc
Transit Arena – Im selben Boot
25. November bis 9. Dezember 2006

Vernissage: Sa 25. XI. 19 Uhr
Finissage: Sa 9.XII. 19 Uhr
Fr 1. XII. 20 Uhr Kaffeesatzlesen mit Jeliseveta J. Abramovic
Fr 7. / Sa 8. / So 9. XII. 15 Uhr
Treffpunkt: message salon downtown
Rundgang mit der Künstlerin message salon / Helmhaus Zürich
ab 7. XII. mit „Finale:“ im Helmhaus Zürich, Ankäufe der Stadt Zürich

Esther Eppsein, message salon downtown, Perla-Mode, Langstrasse 84, 8004 Zürich. Bus 32, Tram 8 bis Helvetiaplatz
Ausstellung offen: Mi und Fr 14-18 Uhr, Sa 12-17 Uhr

http://transitarena.wordpress.com
http://www.likeyour.com/messageselon

transitarenabild.pdf
transitarenatext.pdf