Eine Begegnung ergibt sich auf eher unkomplizierte Art und Weise – lässt sich weder erzwingen noch vermeiden, Künstler treten mit ihren Kunstwerken miteinander in Kontakt; in einer neuen Zusammenstellung sind Bereicherungen zu erfahren… (Text in Bearbeitung)
—————————————————————————————————————————Fotos: Barbara Streiff
„Maske“ A.Schvarkoff „Corpus“ B.Streiff „Apre la Ligne Bleue“ I.Branč
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Ich bereitete mich gerade auf einen kurzen Auftritt vor, da ich von Barbara Streiff angetippt werde (über eines der sozialen Netzwerke). Bei der Profildurchsicht hatte mich eine ihrer Fotografien angesprochen. Es kann kein Zufall sein, dachte ich mir, dass ich gerade einen Text über Gilles de Rays (Schutzschild von Jeanne d Arc) schreibe und diese Fotografie, als ein Abbild einer Art Panzer-Reliquie auftaucht, als hätte sie einmal Jeanne d Arc getragen…Ich sah mir die Fotografie deshalb genauer an:
Darauf war, so schien es, ein Fragment einer Rüstung abgebildet, eine Vorderseite von einem Panzer für eine Frau.
Die metallene Darstellung war im Gegenlicht fotografiert, durch die feinen Öffnungen schienen Sonnenstrahlen hindurch.
(Wie zersetzend waren wohl die Blicke feindlicher Soldaten gewesen die auf Jeanne d Arcs Rüstung niederfielen?)
Auf dem Schlachtfeld, da Jeanne d Arc zuletzt als Kriegerinn gesehen und gefangen genommen worden war, hätten diese Blicke ihren Panzer durchlöchert, Spuren davon würden zu erkennen sein. Es würde sich durch eine sichtbare Beschädigung des Panzers manifestieren, wie sich Blicke durch Metal „hindurch fressen“ können. Vielleicht würde ein fragiler und durch diese Bösartigkeit „gezeichneter“ Gegenstand erhalten bleiben, ein Überbleibsel der Rüstung…
Die Öffnungen in Barbaras Skulptur jedoch sind vorbestimmte Formen und stellen Ursymbole dar. Barbara beschreibt sie durch AION. Als ich später darüber lese, machte ich mir folgende Überlegung:
Bei der Festnahme von Jeanne d Arc muss sich folgendes zugetragen haben: Eine bestimmte Form innerer Leuchtkraft, liess den Schutzpanzer durchleuchten, es war wohl die Erkenntnis d Arcs gewesen, dass ihre Bestimmung Kriegerinn zu sein nun endet. Der Gedanke begann den Panzer zu zersetzen, durchlöcherte ihn in Mustern und, vom Körper abgestossen, liess ihn wegfallen; wie eine Schale die vorzeitig abgelegt werden möchte, als ein unnötiges Schutz-Beiwerk….
Ich fragte Barbara Streif direkt an, ob es sich für den geplanten Anlass eignete, ihren Corpus als Jeanne d Arcs Schutzpanzer auszustellen und ob ein Pendant dafür existierte- dieses dann Gilles de Rays repräsentieren könnte. Barbara sagte zu.
Ich beschloss eine Fotografie, darauf die Maske von Aleksey Schvarkoff aus Russland, als Repräsentanten von Gilles de Rays gelten zu lassen. Aleksey ist auf dieser Fotografie zu sehen, als Träger seines Kunstwerkes und als wäre er mit der Maske Eins geworden. Aleksey mit seinem Werk habe ich als „den Mann in der eisernen Maske“ (Gilles de Ray) umschrieben und projizierte die Abbildung auf die Wand, als Teil des Bühnenbildes säumte es die Intervention. Er hätte nichts dagegen, die Geschichte mit Gilles de Rays sei sehr spannen, liess Aleksey mich wissen….
Indessen haben meine Recherchen ergeben, dass literarischen und historischen Berichten und Quellen, beinahe Allem was sich um Gilles de Rays rankt und über den Prozess verbreiten konnte, etwas markant ambivalentes anhaftet. Verdächtig ist die Art und Weise wie Darüber tendenziös geschrieben worden ist und sich als solches immer noch ausbreitet…
(siehe die ursprüngliche Quelle in den Prozessunterlagen der Inquisition, im Prozess gegen Gilles de Rays)
So gesehen ist auch Gilles de Rays, als historische Figur der Freiheitskämpfer, mit der Maske eines Massenmörders „geschmückt” worden. Die Maske die von Aussen her aufgesetzt wurde, haftete so lange und passte wie angegossen, dass sie vom wahren Gesicht nicht mehr zu unterscheiden war (wie in einer Geschichte über Blaubart, da mit Blaubart wohl eher der Richter umschrieben worden ist)…
Ich habe ein Objekt-Paar hergestellt, zwei sog.“Wallfahrtsspiegel“ mit integrierten Leuchten, die als “Zeugen von Jeanne und Gilles Geschichte“ fungieren. Im Rahmen einer Intervention habe ich ein weiteres Objekt-Paar, die Gegenüberstellung von Barbaras „Corpus” und Alekseys „Maske“, ins Bühnenbild integriert.
Diese Vorgehensweise liegt der Werkserie unter dem Titel “Transit Arena“ zugrunde: eigene und fremde Kunstwerke in neue Kontexte zu stellen, Querverweise dafür zu nutzen um Denkräume durch Geschichten zu ermöglichen und vieles weitere mehr…
Fortsetzung folgt…..


